Emergency: 112

 

Fakt ist, dass heutzutage die Mehrzahl aller Brandtoten in Privatwohnungen anfällt. Warum das so ist, kann einfach Erklärt werden: jedes Feuer setzt Brandgase frei, welche auch in kleinen Mengen schon tödlich sein können. Neben Kohlendioxyd und Kohlenmonoxyd werden durch die modernen Baumaterialien auch andere Gifte freigesetzt: nitrose Gase, Salzsäure, Blausäure, krebserregende polyzyklische Kohlenwasserstoffe, usw.

Der Prozess des Freisetzens der sogenannten Pyrolyse Gase beginnt gleich am Anfang des Brandes. Selbst ein kleiner Schwelbrand kann somit schon tödlich sein! 100 g Schaumstoff oder verschiedene Tapeten welche brennen entwickeln genug Gifte um tödlich zu wirken. 70 Prozent der Brandtoten sterben bei Bränden in der Nacht. Eben dann, wenn niemand am Ausbruchsort anwesend ist oder der Anwesende schläft! In ersteren Fall kann sich der Entstehungsbrand voll ausbreiten, im zweiten Fall erwacht die anwesende schlafende Person meistens nicht mehr, da sie schon im Schlaf vergiftet wurde. Tagsüber verhält es sich anders. Man nimmt die Brände eher wahr und kann sie oft in der Entstehungsphase löschen oder sich rechtzeitig in Sicherheit begeben.

Eine wirksame Hilfe um den Erstickungstod zu verhindern sind Brandmelder, da auch bei guter Brandprävention ein Brandausbruch nie ganz ausgeschlossen werden kann. In Schweden, wo 70 Prozent der Haushalte mit Rauchmeldern ausgerüstet sind, konnte die Zahl der Brandtoten dadurch um 50% verringert werden.

Neben festeingebauten Brandmeldeanlagen welche in öffentlichen sowie betrieblichen Gebäuden eingebaut werden, kann man seine Wohnung mit einfachen, im Handel erhältlichen, Rauchmeldern ausrüsten. Diese Apparate kosten nur ein paar Euro und an Unterhalt fällt nur das Ersetzen der Batterie an. Das Anbringen ist einfach und kann von jedem selbst gemacht werden. Ebenfalls gibt es Rauchmelder welche vom Fachpersonal an vorhandene Einbruchsalarmanlagen angeschlossen werden können.

In unseren Nachbarländern ist oder wird der Einbau von Rauchmeldern in Privatwohnungen Pflicht. In Luxemburg ist dies größtenteils nicht der Fall. Über den Weg vom Bautenreglement können die Gemeinden dies vorschreiben. Dieser Schritt wurde jedoch nur in einigen wenigen Gemeinden getan. Ein allgemeines Brandschutzgesetz gibt es in Luxemburg nicht.

Der Nationale Feuerwehrverband fordert jedoch schon seit Jahren, dass Luxemburg auch eine Pflicht einführen soll. Es geht hier um Menschenleben!

Die staatlichen Organe in Luxemburg sehen hier anscheinend einen zu starken Eingriff in die Privatsphäre der Bürger. Obendrauf wären Kontrollen nicht möglich. Und es wäre nicht garantiert, dass die Bewohner die Rauchmelder auch funktionsbereit halten, d.h. die Batterien wechseln. Der Staat setzt sein Vertrauen in die Bürger, dass diese die Notwendigkeit einsehen und freiwillig Rauchmelder installieren.

Als Landesfeuerwehrverband können wir dieser Logik jedoch nur teilweise folgen. Das obligatorische Tragen des Sicherheitsgurtes im Auto ist auch ein Eingriff in die Privatsphäre, wurde jedoch durch Gesetz umgesetzt. Und das ist gut so! Ebenso das Tragen des Helmes bei Motorrädern. Die Kontrollen sind hier einfacher durzuziehen.

Zugegeben, es gibt, wie unsere Einsatzstatistiken zeigen, bedeutend mehr Verkehrsunfälle als Brände in Wohnungen: 652 Brandeinsätze in Wohnungen und Privathäusern gegenüber von 2.653 Verkehrsunfällen im Jahr 2013.

Unser Standpunkt ist jedoch, dass ein jedes einzelnes Menschenleben geschützt werden muss, egal ob im Verkehr oder in einer Privatwohnung.

Argumente in die Richtung, dass das Ganze nur der Industrie diene, können wir einfach widderlegen: Unsere Leute wurden schon nachts zu Bränden gerufen, wo die Einwohner uns erfreut mitteilten, dass sie durch Rauchmelder geweckt wurden!

Frankreich hat im Jahr 2010 ein Gesetz gestimmt, welches im März 2015 in Kraft tritt und die Installation von mindestens einem Rauchmelder in Privatwohnungen und Privathäusern vorschreibt. Auch dort ist eine Kontrolle schwierig. Unsere Nachbarn bringen da jetzt einen anderen Stakeholder ins Spiel: die Feuerversicherungen! Im Falle vom Anbringen, was ja obligatorisch ist, von Rauchmeldern, können die Versicherungen Rabatte auf den Prämien gewähren. Anders ausgedrückt: die Versicherungen werden unseres Erachtens nach die Prämien erhöhen, da ja ein größeres Risiko besteht wenn kein Rauchmelder installiert ist. Und wo nachgewiesen ist, dass Rauchmelder installiert sind, wird die Prämie gemindert. Wir sehen, die Kontrolle muss also nicht durch den Staat oder seine Organe durchgeführt werden.

Speziell die Versicherungsunternehmen sollten an einer raschen Entdeckung eines jeden Brandes interessiert sein, da sich in der 1. Brandphase (Zündphase) und in der 2. Phase (Entstehungsbrand) der Schaden noch in Grenzen hält. Haben sich in der 2. Phase jedoch genügend brennbare Gase gebildet, kann sich diese brennbare Atmosphäre durchzünden (3. Phase – Flash Over) wenn das Gemisch der Pyrolysen Gase mit Sauerstoff im richtigen Mengenverhältnis ist. In der 4. Phase haben wir dann die anhaltende Verbrennung sowie den Vollbrand welcher, wird er nicht gelöscht, erst abklingt, wenn kein brennbares Material mehr vorhanden ist.

In Präsenz eines Brandes, und das ab dem Schwelbrand, bildet sich in Räumen eine Rauchschicht unter der Raumdecke. Bedingt durch die nun vorherrschende spezielle Thermik strömt Luft mit frischem Sauerstoff in Bodennähe zum Feuer hin. Mit der Zeit wird die Rauchschicht dicker und die Schicht mit frischer Luft immer niedriger.

Aus diesem Phänomen heraus ergibt sich die ideale Stelle zum Anbringen von Rauchmeldern: So weit Oben wie möglich. Dies erlaubt den Bewohnern Zeitig den Alarm zu vernehmen um die Flucht zu ergreifen. Man soll alle Leute im Gebäude alarmieren und sich in Sicherheit begeben. Sofort ist auch die 112 anzurufen und alle Fragen zu beantworten. Wenn möglich soll die Tür zum Brandraum verschlossen und unten mit einem feuchten Tuch abgedichtet werden. Kommt man nicht mehr aus dem Haus, soll man seine Anwesenheit am Fenster signalisieren und auf die Feuerwehr warten. Auf keinen Fall soll man aus dem Fenster springen.

Kalkulierten die Experten in den 1970ger Jahren noch 17 Minuten Zeit um einen brennenden Raum zu verlassen, so ist durch den Einsatz von „modernen“ Materialien diese Zeit sehr reduziert worden. Die deutsche Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung hat 2006 ein Kinderzimmerbrand nachgestellt: Eine Matratze wurde per Teelicht entzündet. Nach nur 4 Minuten kam es zum Vollbrand!

Wenn Leute im Haus sind werden Brände mit Hilfe der Rauchmelder eher entdeckt. Falls niemand zuhause ist, stimmt dies nicht. Aber, von unserer Seite aus gesehen, ist dies nicht so schlimm da ja kein Menschenleben auf dem Spiel steht. Materialschaden kann ersetzt werden. Somit wird der allgemeine Einsatz von Rauchmeldern auch den Versicherungen Einsparungen ermöglichen. Rauchmelder verhindern keinen Brand, können aber indirekt seine Ausbreitung verhindern.

Wie viele Rauchmelder sollen eigentlich installiert werden? Auf jeder Etage soll mindestens ein Rauchmelder zentral installiert sein. Ebenfalls soll in jedes Schlaf- und Kinderzimmer ein Melder installiert werden. Wenn möglich sollen auch der Dachboden sowie der Keller, Wohn- und Arbeitszimmer mit Rauchmeldern versehen werden. Normale Rauchmelder sollen nicht in Küche und Bad installiert werden, da hier Fehlalarme vorprogrammiert sind: die Melder arbeiten nach dem Streulichtprinzip. In einer inneren Kammer werden von einer Leuchtdiode Lichtstrahlen ausgesendet. Dringt Rauch in diese Kammer, wird das Licht gestreut und fällt auf eine Fotozelle. Der Alarm wird ausgelöst. Wasserdampf im Bad oder in der Küche könnte ebenfalls Alarm auslösen.

Welche Rauchmelder soll man kaufen? Jeder Rauchmelder muss  folgende Angaben tragen:

 DIN EN 14604

Name oder Handelszeichen und Adresse des Herstellers oder Lieferanten

Herstellungsdatum oder Fertigungsnummer

vom Hersteller empfohlenes Datum für einen Austausch, wenn die übliche Wartung regelmäßig durchgeführt wurde

Hinweise zum Tauschen der Batterie: Art oder Anzahl der vom Hersteller empfohlenen Batterien und der beim Auswechseln der Batterie unbedingt sichtbare Hinweis für den Benutzer: "Nach jedem Batteriewechsel ist der ordnungsgemäße Betrieb des Rauchmelders unter Anwendung der Prüfeinrichtung zu prüfen."

Zudem muss zum Rauchmelder eine Betriebsanleitung geliefert werden, die Informationen über Anweisungen für Standortwahl, Montage und Wartung erhalten. Zusätzlich müssen auf dem Produkt das Symbol für die CE-Kennzeichnung sowie die Nummer des EG-Konformitätszertifikates angegeben sein.

Eigentlich sind alle Akteure, d.h. die Feuerwehren, die staatlichen Organe wie das Innenministerium sowie die Gemeinden einverstanden mit dem Prinzip, dass Rauchmelder Leben retten! Verschiedene Gemeinden haben die Initiative ergriffen, jedem Neugeborenen ihrer Gemeinde einen Rauchmelder zu schenken.
Warum also, fragen wir uns, gibt es diese Hemmnis um den Einsatz von Rauchmeldern zu reglementieren? Wir fordern kein komplettes Brandschutzgesetz. Nein, der Rauchmelder, über welchen Weg auch immer, wäre ein guter Anfang für mehr Sicherheit im Grossherzogtum. Der Staat macht Gesetze über den Energieverbrauch von Häusern, über das regelmässige Überprüfen der Heizanlagen der Privathaushalte (gleichzeitig könnte der zugelassene Heizungsinstallateur ja auch die Rauchmelder überprüfen), ja es ist sogar vorgeschrieben, dass man um Brände zu vermeiden, regelmässig seinen Schornstein putzen lassen muss! Aber Rauchmelder, nein! Solch einen Eingriff in die Privatsphäre kann die öffentliche Hand sich doch nicht leisten! Falls der Verlust eines Menschenlebens nicht so tragisch wäre, könnte man fast glauben, der Staat würde sich hier einen kleinen Scherz erlauben.

Der Landesfeuerwehrverband, dem sämtliche Freiwilligen-, Berufs-, Betriebs- und Staatsfeuerwehren angehören, hofft nun, dass die Politik aufhorcht und unseren Argumenten folgt.

Wir gehen davon aus, dass das Thema Rauchmelder einfach an den Leuten vorbei geht! Werden sie thematisiert, ist im Prinzip jeder einverstanden, aber Tags darauf sind die Rauchmelder aus dem Sinn. Das ist eben menschlich. Es geht den Rauchmeldern oft wie den guten Vorsätzen von Sylvester welche schon am Neujahrtag dem Alltag weichen müssen.

Werden Rauchmelder jedoch zur Pflicht, z.Bsp. Inhalt der Heizungskontrolle oder der Schornsteinkontrolle, werden die Leute einzeln sensibilisiert. Und die Apparate werden regelmäßig kontrolliert. Es entstehen Mehrkosten, aber eventuell kann hier auch wie in Frankreich eine Einigung mit den Versicherern gefunden werden. Und, wie ein Kollege immer sagt, einen Rauchmelder kostet nur so viel wie ein paar Bier. Beim Autokauf, sogar beim Kauf von Alarmanlagen zur Einbruchsabsicherung der Häuser, wird nicht gespart.

In Frankreich muss der Auslöser von ganz oben gekommen sein. Außer dem Staatspräsidenten haben der Premierminister, der Umweltminister, der Wirtschaftsminister sowie der für Wohnungsbau zuständige Staatssekretär  das Gesetz 2010 unterzeichnet. Es fällt auf, das der für das Feuerlöschwesen zuständige Innenminister fehlt. Es kann also sein, dass der Landesfeuerwehrverband in Luxemburg jahrzehntelang beim Innenminister eigentlich an der falschen Tür anklopfte. Wie schon oben beschrieben, fallen bei einem Brand giftige Stoffe an, es entsteht ein großer wirtschaftlicher Schaden und rare Wohnfläche wird zerstört. Wir setzen unsere Hoffnung jetzt in die luxemburgischen Kollegen der französischen Unterzeichner… aber auch in alle anderen politischen Entscheidungsträger.

Weiterhin werden wir im CTIF, dem Weltverband der Feuerwehr- und Rettungsdienste, für eine Gesamteuropäische Direktive eintreten. Speziell die nördlichen Staaten haben viel Erfolg mit Rauchmeldern und konnten die Brandtoten um 40-50 Prozent verringern.

Bis dem so ist, werden wir nicht müde um jede Gelegenheit zu nutzen, die Bevölkerung auf die Wichtigkeit von Rauchmeldern aufmerksam zu machen. Wir tun dies freiwillig und ehrenamtlich. Wir sind hier auf die Mitarbeit der Presse angewiesen und dankbar für diese Hilfe. Leider sind Ereignisse, wie das Ableben einer 61-jährigen Bewohnerin der Hauptstadt in der ersten Septemberwoche immer traurige Anlässe, um wieder mit den Rauchmeldern in Erscheinung zu treten. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass bei jeder Kampagne etliche Bewohner aktiv werden und Rauchmelder bei sich installieren. Somit ist unsere Arbeit nicht umsonst!

Marc MAMER

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